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Autumn in progress

Der Sommer war wie erwartet vollgepackt mit Terminen, Konzerten und allgemeiner Rastlosigkeit für mich. Keine Zeit zur Kontemplation, der Körper musste funktionieren, der Geist kam manchmal gar nicht hinterher. Wer denkt (oder wie ich gedacht hat), dass das im Alter anders wird, hat sich halt geirrt. Punkt. Ich werde damit leben können/müssen.

Aber es ist natürlich nicht so, dass ich die Schönheit der Welt und das reichhaltige Angebot an wunderbaren Ereignissen im gerade angebrochenen Herbst darüber nicht erkennen würde. Z.B. den Absturz der FDP in die Bedeutungslosigkeit. Oder den Start der herz- und leider auch hirnerweichenden Fernseh-Shows pünktlich zum Herbst. Zu Letzteren zähle ich natürlich Sendungen wie „Supertalent“, „Schwiegertochter gesucht“ und „X-Faktor“. Über die ich allerdings diesmal nichts erwähnen möchte. Kommt später.

Denn in der Politik darf ich gerade sowohl frohlocken und mich auf der anderen Seite an einer Reality-Soap ergötzen. Mein Herzerl schlägt halt immer ein weniger höher, wenn ich die derzeitig in der ganzen Republik als „Fast Drei Prozent“ Gehandelten wahrnehme. Auch ein hannoverscher Phillip bringt diese Partei momentan nicht wieder dahin, wo sie sowieso nicht hingehört.

Aber man weiß ja auch nie, was nach der FDP kommt. Es kann ja noch schlimmer kommen. Oder eben unterhaltsamer. Wie bei der Piratenpartei. In Berlin haben die doch glatt 8,9 Prozent bekommen und die Tendenz liegt bei über 5 Prozent bundesweit zur nächsten Wahl 2013. Aber die Transparenz, die die Piraten zu ihrem zentralen Wahlkampfthema gemacht haben, kann ganz schnell auch zu einem Bumerang werden. Wie man an der öffentlichen (im Internet übertragenen) Fraktionssitzung sehen konnte. „political rookies at work“ sozusagen. Andere würden sagen „chaos in progress“. 😉

Nun ja, lassen wir sie doch erstmal machen und amüsieren uns daran. Geben wir ihnen ein bisschen Zeit, den Job zu lernen, um den sie sich beworben haben. 😉

Den, also seinen Job, wird „Unser Benny“, der 16., wohl auch nicht mehr so verrichten, wie die Bevölkerung sich das wünschen würde. Der Mann kommt einfach nicht an im 21. Jahrhundert. Er versucht halt alles, um die Katholische Kirche vor der nötigen Reform zu bewahren. Es könnte sich dann ja herausstellen, dass sie ihre Daseinsberechtigung schon überlebt hat. Wobei: Das Vorgehen des Papstes auf seinem Vier-Tage-Besuch in Deutschland ließ erkennen, dass er genau diese These unbeabsichtigt zu beweisen versucht. Denn „die Kirche darf sich nicht der Gegenwart anpassen, sondern müsse auf Distanz zur Gesellschaft gehen“, sagt er.

Sagt er wirklich!

Er macht also aus seiner realitätsfremden Geisteshaltung noch einen Schlüsselindikator für die Katholische Kirche. Das ist ungefähr so, als würde man mit einem Auto auf eine Bunkerwand zusteuern und nochmal Gas geben, um dadurch eventuell doch unbeschadet durch die Mauer zu kommen.

Ja, ich stehe genauso auf Benedikt wie ich auf Westerwelle stehe. Beide haben ja gemein, dass sie ihren „Arbeitgeber“ in den Ruin treiben. Das ist nicht nur „chaos in progess“, sondern eine Art von „suicide in progress“. Und wir sind live dabei! DAS nenne ich mal eine Reality-Soap…! :-)

Zu den hirnerweichenden Shows komme ich dann nach weitere, eingehenderen Analysen… – und das ist dann ja mehr ein „desaster in progress“. 😀

Fliegen und das Drumherum (Part 4)

Im November 2008 habe ich mir mal eine Trilogie gegönnt (hier, hier und hier – sowie ein Prolog dazu von 2006 😉 ), über das, was einem beim Fliegen so alles passieren kann. Und was die Produzenten in Hollywood können, kann ich schon lange! Ich schreibe einfach einen vierten Teil mit dem alternden Protagonisten. In diesem Falle also mit mir selbst.

Meine „Feste Freundin“ und die zukünftig allerbeste Ehefrau von allen hat früher, als sie noch in Fronarbeit als bezahlter Sklave tätig war, öfter von ihren Erlebnissen berichtet, die sie mit ihren Mitmenschen im Zug der Deutschen Bahn morgens auf dem Weg von Neustadt nach Hannover hatte. Aber das waren alles Geschichten, die man nachvollziehen konnte, die man selbst schon mal ähnlich in der U-Bahn oder sonstwo erlebt hat.

Wo allerdings erlebt man Sachen, über die man Stunden nachdenken kann, ohne zu verstehen, was sich da gerade vor seinen Augen abgespielt hatte? Richtig, auf dem Flughafen.

Denn es ist ja in der Sache an sich begründet, dass auf verhältnismäßig engem Raum alle Kulturen und Nationen dieser Welt zusammen kommen. Und mit 27 Jahren Erfahrung in Sachen Fliegerei und kultureller Einblicknahme in fremde Gewohnheiten und Verhaltensweisen, hätte ich ja schon Bücher darüber schreiben können, was mir alles passiert ist. Aber aus Rücksichtnahme auf mein Angestelltenverhältnis bei einer großen Luftfahrtgesellschaft habe ich das natürlich nicht getan.

Bis heute. 😉

Allerdings möchte ich betonen, dass ich diese Schilderungen völlig wertfrei wiedergebe und alle Nationen, Kulturen und Menschen dieser Erde zutiefst respektiere.

Und eine besonders.

Die japanische.

Nicht ohne Grund fasziniert mich dieses Land, nein, diese Menschen dort, weil sie so unsagbar anders sind, als ich mir das vorstellen kann.

Ich saß nun also heute um 16 Uhr an meinem Gate in Frankfurt und wartete mit meinem Kollegen auf den Flieger zurück nach Hannover. In der Sitzgruppe vor uns, sich gegenseitig zugewandt, warteten mit uns, eine etwa 35-jährige Japanerin mit ihrer offenbar etwa 65-jährigen Mutter.

Sie sprachen japanisch. Nicht überraschend.

Und da kommen wir auch schon zum ersten Faszinosum. Die Sprache hat ja offensichtlich mehr als eine Handvoll Vokale und ein paar Konsonanten. Wobei man diese den Japanern nicht entnehmen kann. Für mich klingt das immer wie eine Melange aus Indianischem Gesang (unter voller Kriegsbemalung), mongolischer Obertonmusik und dem Gebrumme der ersten Höhlenmenschen. Letztere haben sich ja auch durch den Klang des Tons verständigt.

Also diesem wechselseitigem „Iiiiiaaaannnnnngggghhhh“ und dergleichen, entnahm ich, dass sich die beiden Frauen vor mir über irgendetwas austauschten.

Bis sich allerdings die Tochter plötzlich ganz ihrem Handy widmete und offensichtlich nicht mehr am Gespräch teilnahm, während die Mutter fröhlich weitersang oder -klagte (könnte beides gewesen sein). Ein Blick auf die Mutter jedoch relativierte meine peinliche Berührtheit auf Grund der Unhöflichkeit der Tochter. Denn die alte Dame nämlich sprach irgendwie gar nicht mehr zu ihrer Tochter. Sie starrte zu Boden und brabbelte – zu leise für eine Konversation, zu laut für ein Selbstgespräch – in den Check-in-Bereich hinein.

Ich war fassungslos.

Mein Kollege und ich schauten uns an. Was war das für eine verbal-non-verbale Unterhaltung? Die Mutter ließ nicht ab. Ununterbrochen sprach sie, wie vorher zu ihrer Tochter, nun einfach die Fliesen an.

Oder sie sang. Oder verfluchte mich. Denn das Fragezeichen über meinem Kopf musste sie bemerkt haben.

Es könnte auch sein, dass die Japaner schon die Telepathie zur Unterhaltung einsetzen und das Genuschel dient nur zur Ablenkung der feindlichen Spezies aus dem Westen, um uns dann unbemerkt durch Hirnscanning unschädlich zu machen und die Weltherrschaft an sich zu reißen!

Nein, ich glaube eher nicht. 😉

Aber ich verstehe diese Japaner einfach nicht. Weder in Ihrer Sprache, noch in ihrer Kommunikationskultur.

Die beiden saßen dann übrigens im Flugzeug neben mir. Über den Gang hinweg allerdings. Ich hätte es mir anders gewünscht.

Denn mein Nachbar auf 14B war dem Aussehen nach zu beurteilen Vorderasiate. Dagegen wäre nichts zu sagen. Ich kenne mich mit diesem Kulturstamm besser aus.

Nur dieser Landsmann irritierte mich ein wenig.

Denn er schnarchte mir während des Flugs ins Ohr. Wirklich. Ich schwöre! So einen Scheiß kann man sich doch nicht ausdenken.

Und … – man erlebt ihn eben nur beim Fliegen 😉

Ich bin!

„Mein Schatzzzzz“ ist ja bekanntlich das Nonplusultra in Sachen Mobilar in unserer Wohnung. Natürlich auch in Sachen Gebrauchsgegenstand. Und in Punkto Lebensmittel. Ohne meinen „kleinen“ iMac würde ich ja praktisch gar nicht existieren. Im Zeitalter des Facebook-Accounts für jedermann definieren wir uns bekanntlich über unser Profil im Netz. Und das wird durch den Computer generiert und aktualisiert.

Klar, man kann sich Ersatzspielzeug zulegen. iPhone. iPad. Ja, ja, aber wirklich sein kann man doch nur mit seinem Computer. So mit Maus. Und 27-Zoll-Bildschirm. Damit fühlt man sich dann vollkommen. Da ist man eben ganz Mensch.

Das erklärt man dann so nach und nach der Allerliebsten, die sich anfangs nur widerwillig dem iPod touch gewidmet hatte, dann plötzlich keine Lust und Muße mehr hatte, sich an ihren Laptop zu setzen, um dann schließlich ihren ganzen Businessplan an meinem Schatzzzzz zu erstellen!

Viele Tage lang … Von morgens bis abends …

Also eine fast unüberschaubare Zeit, in der ich praktisch nicht existierte. Kein Profil-update, kein Kommentar, kein „Gefällt-mir“, keine Analysen auf meinem Onlinespiel-Account, kein Gar-nichts.

Heute habe ich jedoch meinen Rechner zurückbekommen. Mein Herz schlägt nun von neuem. Meine Existenz ist wieder erfüllt von Bits und Bytes. Ich bin!

Mit anderen Worten, die zukünftig beste Ehefrau von allen braucht dringend ihren eigenen Mac! Diese Zeit der netz-kommunikativen Dürre und inhaltlichen Leere darf sich für mich nicht wiederholen.

Ja, ich habe auch erkannt, dass ich abhängig bin. Wie ein Süchtiger eine Spritze, brauche ich meine USB-Connect zum Mac. Wahrscheinlich steige ich bald auf WLan oder Bluetooth um. Teuflisches Zeug halt.

Ich werde heute erstmal vor meinem Apple-Rechner nächtigen. Mit dem Gesicht auf der Tastatur. Ich brauche jetzt ganz einfach die Nähe meines iMacs.

Ach, hört auf..! Klar komme ich auch ohne Computer aus…! Das ist doch keine Sucht … Ich kann da jederzeit damit aufhören … wenn ich will … früher sind wir doch auch ohne ausgekommen …

So ‚n Quatsch…!

Das neue 96-Verlangen

Apropos Fußball. Am Donnerstag war ich in der AWD-Arena zu Hannover. Das erste Pflichtspiel gegen einen ausländischen Verein seit 57 Jahren. Wobei ich nicht glaube, dass es nach der letzten Meisterschaft der Hannoveraner ,1954, schon einen Europa-Pokal gab.

Was war das nur für ein Erlebnis! Mal abgesehen von den unzähligen Bekannten, Freunden und Schulkameraden, die ich im Stadion getroffen habe, war das Spiel gegen den FC Sevilla ein Traum. 43.500 enthusiastische Niedersachsen gegen etwa ein Dutzend Sevillanesen. Die Gästekurve war sehr übersichtlich. Offenbar sind die spanischen Anhänger nicht sehr reisefreundlich. Das dürfte am kommenden Donnerstag schon anders aussehen, wenn ein paar Chartermaschinen die hannoverschen Fans nach Sevilla fliegen.

Das 2:1 muss nicht reichen für 96, aber das Erlebnis, dem wir beiwohnen durften, wird den Hannoveranern nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Jetzt wollen wir mehr. Jedes Jahr ein paar Engländer, Franzosen, Spanier oder auch mal Italiener ( :-) ) wäre schon toll. Nachdem die Hamburger, die Bremer und die Wolfsburger in der Vergangenheit schon genug Aufmerksamkeit in den europäischen Ligen für sich in Anspruch genommen haben, sind wir jetzt mal dran. Muss nicht gleich ein Pott sein, aber so eine Gruppenphase und vier Heimspiele jedes Jahr, hätten wir doch auch mal verdient.

Ja, so ist das mit den Menschen. Wenn sie einmal Blut geleckt haben, wollen sie immer mehr. Ein 9. Platz – also „einstellig“, wie es immer heißt – in der Liga, ist jetzt nicht mehr ausreichend. Wir wollen Platz 6. Nicht, dass wir es verlangen würden von unserem Club, aber wollen wollen wir schon. 😉

Die vier Auftaktsiege der Hannoveraner Balltreter überschattet dann auch – zumindest in meiner kleinen Weltsicht – das bescheidene Wetter in diesem Sommer, die Teenagerliebe verwirrter CDU-Politiker sowie den Rebellenvormarsch in Libyen. Wer will davon schon noch etwas hören? Wir erfreuen uns derzeit lieber an Hannover 96, unserer „alten Liebe“. 😉

Back home again

Ich war in meiner Heimat. Oder in der Fremde. Egal, wie man das jetzt sehen mag, ich war zumindest in Italien. Da zieht es mich alle paar Jahre immer hin. In die nordöstlichen Berge Italiens, in das Gebiet meiner Ahnen. Poetisch ausgedrückt ist das offensichtlich der Ruf meines Blutes. 😉

Sehr viel Verwandtschaft haben wir zwar nicht mehr dort, aber die Nachbarschaft ist auch noch immer die Gleiche und alle sind noch immer so gastfreundlich wie man das von Italienern halt so kennt. Deshalb kommt man gar nicht so sehr zu großen Unternehmungen, da man immer wieder einer ungesunden Menge an Wein, Käse und Salami in wechselnder Gesellschaft gegenüber steht. Wobei mir der Käse und die Salami jetzt gar nicht so sehr aufgefallen sind. An Wein allerdings kann ich mich sehr gut erinnern. 😉

Älter sind sie alle geworden, die italienische Bekannt- und Verwandtschaft. Im Gegensatz zu mir natürlich. 😉

Die Jungens von damals, mit denen ich zum See gefahren bin und italienisch geradebrecht habe, stehen genauso vor dem zweiten oder gar dritten Abschnitt ihres Lebens wie ich. Und so sah man jede Menge alte Menschen, die in Erinnerungen schwelgten, Fotos aus den 50er bis 70er Jahren herausholten und die alten Songs rezitierten (einem hatte ich 1982 den Text von „Carbonara“ von ‚Spliff‘ beigebracht – er konnte ihn sogar noch!).

Als Kind habe ich es ja gehasst, wenn meine Eltern an jeder Hausecke in unserem Dorf angesprochen wurden und sich ein kurzer Gang zu einem Verwandten so zu einer kompletten Nachmittagsveranstaltung hinzog. Jetzt weiß ich allerdings, dass DAS der Urlaub war für meine Eltern. Sich erinnern, sich mit den Leuten von damals austauschen, seine Jugend wieder greifbar real spüren zu können.

Wenn ich mir das so überlege, habe ich praktisch den Urlaub meiner ganze Kindheit dort verbracht. Da gab es kein „wo wollen wir denn in diesen Sommerferien hin?“, sondern es war klar, es ging für mindestens drei Wochen nach Cavasso Nuovo, dem kleinen Fleck in der Provinz Udine, aus dem meine ganzen Vorfahren kamen.

So habe auch ich über die Jahrzehnte eine innige Beziehung zu diesen Leuten und zu diesem Land aufgebaut. Obwohl ich sie im täglichen Alltag nie um mich hatte, waren die Urlaubswochen, die ich dort verbrachte, immer für dieses Parallel-Leben reserviert. Mit einem anderen Zuhause, mit anderen Menschen, mit einer anderen Sprache, anderem Geld und einer anderen Umgebung. Und Letztere zieht einen immer wieder – auch nach dem x-ten Besuch dort – in ihren Bann. Die Berge, das glasklare Wasser, dieses Panorama… – irgendwie ist Friaul doch eine verdammt schöne Landschaft. 😉

Apropos Friaul und dessen Haupstadt Udine. Meine Nachbarn sind ja ganz harte ‚Udinese Calcio‘-Fußballfans. Typische italienische Tivosi halt. Sympathisch, gell? 😉

Ich werde mal schauen, was die Spieler Udines in dieser Saison so bringen. Sie haben sich ja auch für die Europa League qualifiziert. Wäre doch mal ‚was, wenn Udine gegen Hannover spielen würde.

Also eine Compilation der Stadion- und Fansongs von Udinese Calcio habe ich mir schon mitgebracht. Das „Alte Liebe“ der Hannoveraner, kontern die Udineser mit ihrem „Vinci per noi, magica Udinese“. Einer von beiden darf den Pott ruhig holen! Forza, Udinese Calcio! Vorwärts, Hannover 96! 😉

Frauen-WM-Fieber

So, nun ist sie vorbei. Ich meine die Fußball-WM der Frauen. Und ich muss sagen, schön war’s!

Nein, ich mache nur Spaß! Ich habe mich von dem „Tantengekicke“ (O-Ton Dietmar Wischmeyer als Kolumnist meiner Heimatzeitung) nicht vereinnahmen lassen. Wobei ich tatsächlich guter Hoffnung war, dass mich das Turnier ein wenig packen würde in der trost- weil fußballlosen Zeit. Aber dann habe ich mir ein Vorrundenspiel der Brasilianerinnen gegen Norwegen angeschaut…

Ich möchte hier einschieben, dass ich jemand bin, der seinen Emotionen bei einem Fußballspiel (besonders bei 96 sowie der deutschen und italienischen Nationalmannschaften) freien Lauf lässt. Ich erkläre den Spielern auf dem Feld auch gern in meiner natürlich sachlichen Art, wohin sie den Ball spielen sollen bzw. hätten spielen sollen, wenn sie denn nicht an ihrer oft temporär auftretenden völligen Unfähigkeit gescheitert wären. Ich wäre ja auch grundsätzlich die bessere Wahl, wenn es um die Frage ginge, „Jogi oder Marino“? Immerhin habe ich 13 Jahre meines Lebens damit verbracht, auf den Fußballplätzen in Niedersachsen meine Jugend zu vergeuden. Obwohl nicht alles schlimm war, so im Nachhinein betrachtet. Man lernt halt viel fürs Leben. Teamplaying, soziales Verhalten, Integration in eine Gruppe beispielsweise. Und nicht zu vergessen diese herrlich kindliche kollektive Freude über den Gewinn einer wertlosen Blechtrophäe.

Heute begrenzt sich die diesbezügliche sportliche Aktivität gänzlich auf passives Fußballspielen. Aber der Konsum einer Begegnung im Stadion oder im Fernsehen ist auch irgendwie ein soziales Miteinander. Immerhin. Nur deutlicher geprägt durch …., na, ich sage mal, Wissenstransfer. Also ich erkläre dem jugendlichen Spieler auf dem Platz, weshalb er ein absolute Niete ist und ausgewechselt gehört. Dumm nur, dass die Kommunikation nicht ganz so reibungslos funktioniert, denn es befindet sich einfach zu viel Raum zwischen Lehrer und Spieler. Also zwischen mir und ihm. Besonders, wenn ich nur vor dem Fernseher sitze. Aber gesagt haben, muss ich es eben mal.

Doch grundsätzlich hatte ich gerade in der abgelaufenen Saison eh nicht viel zu kritisieren, wenn ich mir die Spiele der Hannoveraner angeschaut habe. Lief ja ganz prächtig.

Dann war aber Sommerpause. Unnötigerweise.

Man dachte, na ja, eventuell kann man sich ja doch – mit ein paar Abstrichen – mit der Damen-WM in Deutschland anfreunden. Wir haben dann sogar auf der Arbeit in das erste Spiel reingezappt. Und in ein zweites. Und dann kam besagtes Brasilien-Spiel, dass ich mir ganz angesehen habe.

Jetzt mal im Ernst und ohne Häme: Selbst, wenn man großzügig über die fehlende Schnelligkeit, geringere Körperkraft und langsameren Bewegungsabläufe hinwegsehen möchte, war das doch in fußballerischer Hinsicht eine echte Katastrophe. Nein, nicht nur von der deutschen Mannschaft, sondern von allen Frauen war es nur ein armseliges, erbarmungswürdiges Schauspiel technischen Unvermögens.

Es mag „für Frauen“ ja wirklich gut gewesen sein, aber das Getrete hatte doch noch nicht mal Verbandsliganiveau!

Ich hatte mir vorher gesagt, mein Gott, die Leichtathletinnen springen und laufen ja auch wie die Männer, nur eben einen Tick kürzer oder langsamer, musste jedoch enttäuscht feststellen, dass im Fußball ganze Lichtjahre zwischen Mann und Frau liegen.

Ich will das nicht. Hört auf damit! Macht es wie die Italienerinnen – spielt etwas anderes!

Dann entscheide ich mich zukünftig lieber für eine echte Sommerpause oder schaue mir Wiederholungen von Spielen der zweiten kolumbianischen Liga an. Die soll ja auch gar nicht so uninteressant sein. 😉

Ein tröstlicher Gedanke

In den vergangenen Wochen hatte ich sehr viel Gelegenheit über unsere Existenz nachzudenken. Also nicht ein paar Unsrige im Speziellen sondern mehr so generell. Wenn ich mal vorsichtig überschlage, beschäftige ich mich seit geraumer Zeit sogar sehr intensiv mit dieser Frage. Und nicht nur seit ein paar Wochen, sondern schon sehr viel länger.

Besonders beschäftigt mich dabei die Frage, wo kommen wir her und wo gehen wir hin, weil ich vermute, dass das alles irgendwie zusammen gehört. Vielleicht ist dieser unbekannte Faktor in unserem Leben sogar der entscheidende.
Blöd natürlich, dass diese große Unbekannte in unserer Existenz nicht mal eben durch einen simplen Dreisatz errechnet werden kann.

Die Menschen glauben ja gern an etwas Göttliches, dass von oben die Strippen in Händen hält und zu dem wir hinauffahren, wenn unsere Mission hier unten auf Erden erledigt ist. Ob das nun Allah, Gott oder was auch immer ist. Jedenfalls geben die Menschen nur zu gern ihr Schicksal an fremde – höhere! – Mächte ab. Ist ja klar: Wer würde denn auch schon die irdische Verantwortung für Hexenjagden, Heilige Kriege und Terror übernehmen? Der Mensch beschränkt sich auf die Frömmigkeit und die institutionsgesteuerte Folgsamkeit. So ist Ihnen Absolution am Tag des Jüngsten Gerichts sicher. Früher ging das noch durch Ablassbriefe, heute ist man da großzügiger – Kirchensteuer, die Kollekte zur Weihnachtsmesse oder auch andernorts mal ein kleines Selbstmordattentat reichen da schon, um die Familie nach dem Tod ins Gelobte Land, ins Nirwana oder an den Kiosk umme Ecke (gibt es dafür eigentlich eine Glaubensrichtung?) führen zu können.

Was nun, wenn das, was wir hier unten erleben, nur eine Prüfung, eine Qualifikationsperiode unseres Ichs wäre und unsere Existenz gar nicht anfängt und aufhört? Sie ist ständig und geht von einem Körper zum nächsten, reinkarniert und stetig auf dem Weg der Entwicklung.

Da würde man dann zwangsläufig nach Möglichkeiten suchen, mit diesem dann wohl körperlosen Dasein auch in Kontakt zu treten. Logisch. Und leider gibt es da genug Scharlatane, die einem Weis machen wollen, dass der verstorbene Angehörige partout möchte, ihm, dem Medium, sein gesamtes Hab und Gut zu überschreiben.

Da hilft dann auch ein Blick in meine neueste Lieblingssendung „Frauentausch“. Dort zeigen sie ein Porträt eines echten Schamanen, der gern mal fünf Stunden in der Wanne sitzt und meditiert. So einer hat bestimmt Kontakt zu Geistern. Ich bin sicher. Nur, diese Geister können auch ganz leicht durch Psychopharmaka oder Halluzinogene kontaktiert werden. Man bekommt so auch keine schrumpeligen Finger dabei. 😉

Doch manchmal passiert es eben doch, dass sich tatsächlich für einen persönlich ein Tor öffnet oder auch nur ein kleines Fenster, durch das man blicken kann und sich so wieder winzige Puzzleteile zusammenfügen, durch die man Erkenntnis erlangt. Nur für sich. Für seinen eigenen Weg.

Oder doch sogar für die eigene Qualifikation?

Dann wären wir tatsächlich nicht allein. Dann wären alle verloren Geglaubten immer um uns.

Ein tröstlicher Gedanke.

Junger Mann zum Mitreisen gesucht

Da ich bekanntlich in Langenhagen geboren und auf gewachsen bin, kann man mich – auch auf Grund der räumlichen Nähe zu Hannover – als Großstädter bezeichnen. Nun wohne ich aber seit Oktober vergangenen Jahres im ländlichen Neustadt am Rübenberge, das, durchaus zu meiner Freude, alles zu bieten hat, was so ein Landleben den Einwohnern eben bieten kann.

Nachdem ich schon 2010 ersten Kontakt zur Neustädter Tradition der Schützen aufnahm, in dem mich morgens um 3 Uhr ohrenbetäubende Blasmusik weckte, sollte sich dieses Ereignis heute nun zum ersten Mal jähren. Darauf wollte ich vorbereitet sein und schlug trotz auftretender Ermüdungserscheinungen vor, gestern Abend noch zum „Zapfenstreich“ in die Innenstadt Neustadts zu gehen.

Meine Motivation in allen Ehren, aber offensichtlich vernebelten mir die Anstrengungen der letzten drei Tage so sehr das Hirn, dass ich mich wider jeglicher Vernunft allen Ernstes freiwillig in diese Dorfveranstaltung begab.

Denn wollen wir mal ehrlich sein, ein Schützenfest hat eigentlich nur eine Tradition, und das ist die des bedingungslosen Besaufens. Wenn wir die Sache mal historisch betrachten, dann haben diese Vereine schon seit vielen Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten keine gesellschaftliche Legitimation mehr. Welche Gemeinde muss sich heute noch mit Waffengewalt vor diversen Lebensgefahren schützen oder ihr Essen im Wald erlegen? Zumal Alkohol und Schusswaffen eine Kombination darstellt, die zu ernsthaften Komplikationen führen kann.

Kurz gesagt: Ich stehe nicht so auf Schützenvereine.

Und es kam natürlich, wie es kommen musste. Wobei mir von dem kleinen Kreis an Menschen, mit dem ich unterwegs war, zu verstehen gegeben wurde, dass man das einmal zumindest mitgemacht haben muss, wenn man Neustädter sein will.

Nun gut, es begann an einem Biertresen in der Mitte der Fußgängerzone. Mit unserer kleinen Gruppe warteten etwa ein paar Hundert Neustädter auf die „Bärenmusiker“. Eine Tradition, die auf das Jahr 1841 zurückgeht, als Blasmusiker durch die Straßen Neustadts zogen und durch einen Zuschauer als „Bärenmusiker“ tituliert wurden. Mal stark abgekürzt. Das ist nämlich genauso originell wie interessant. Vergessen wir also die Historie…

Soweit ich das also verstanden hatte, warteten wir bis weit nach 22 Uhr auf etwa ein Dutzend Musiker, die den ganzen Tag durch Neustadt zogen und an jeder Kneipe Freibier und andere Spirituosen bekamen. Meine Vorfreude auf die musikalische Kost hielt sich demnach in sehr engen Grenzen, da ich mir ausmalen konnte, wie tonsicher ein Bläser mit 2 Promille spielen kann.

Irgendwann kamen sie dann. Ich muss zugeben, so schlecht war das gar nicht, was die Herren Bärenmusiker da an ihren Instrumenten boten. Ich hätte auf nicht mehr als 1,5 Promille getippt!

Wer nun meint, das wäre schon genug des Initiationsrituals für mich, um als Neustädter Bürger in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden, irrt sich natürlich. Danach ging es in Mitten meiner neuen Gemeinde im Tross zum eigentlichen Schützenfest an die Leinebrücke. Direkt zum „Musik-Express“. So ein Ding steht ja auf jedem Fest. Zwei-Mann-Waggons, die im Kreis fahren – schnell, rückwärts und vorwärts. Also bestens geeignet dazu, sich das Essen nochmal durch den Kopf gehen zu lassen, wenn man unvorsichtig war. Und Vorsicht hat mit den Vorgängen auf einem Schützenfest bekanntlich nichts zu tun.

Und als wenn man die Klischees eines Rummels just an diesem Tag in Neustadt nochmal alle bestätigt sehen wollte, gab es da auch den Kassierer, der uns in diesem unnachahmlichen Ton zwischen Debilität und verstopfter Nase immer wieder zu verstehen gab: „Das macht Spaß, das macht Freude! Und die nächste Fahrt geht wieder rückwärts!“

Aber der Schlusspunkt sollte dem „jungen Mann zum Mitreisen“ vorbehalten sein, der mit einer nur ihm zustehenden Grazie und voller Anmut immer wieder auf den fahrenden „Musik-Express“ aufsprang und hoch erhobenen Hauptes mitfuhr, um dann in katzengleicher Geschmeidigkeit eine halbe Runde später wieder abzuspringen. Das Ganze wiederholte sich dann so oft, bis der „Musik-Express“ die Schnelligkeit annahm, die zu erwähnten körperlichen Reaktion bei den Fahrgästen führen kann. Gestern kam es zwar gottseidank nicht zum Äußersten, doch alle Reiseteilnehmer versammelten sich bei Höchstgeschwindigkeit jeweils zu einem spektakulären Fliehkraft-Knäuel am äußeren Rand der Fahrwagen. Immer wieder ein erhebender Anblick. 😉

Auf dem Heimweg philosophierte unsere kleine Expeditionsgruppe dann noch über die Faszination, die man als junger Mensch für die Helfer an der Auto-Scooter-Bahn empfand, die mit einer Hand am Lenkrad und einer Hand an der Stange die Wagen wieder in die Parkposition brachten. Jungen schauten respekt- und neidvoll zu ihren Idolen hinüber und Mädchen träumten von einem Leben an der Seite dieser Helden. Damals kannte man den zweifelhaften Status eines „Mitreisenden“ eben noch nicht. Das war für uns die große, weite Welt! Fast wie eine Tournee. Ja, ich wollte auch mal ein „Mitreisender“ werden. Und ich weiß auch, dass viele Mädchen damals davon träumten, ihren Eltern stolz verkünden zu dürfen: „Mein Freund arbeitet auf dem Schützenfest beim Auto-Scooter!“

Gottseidank blieb mir als Vater sowas erspart. Aber vielleicht würde ich das dann ja auch mit anderen Augen sehen. So wie mein Aufnahme in den erlauchten Kreis der Neustädter Gesellschaft durch die Teilnahme an dieser Veranstaltung.

Deshalb denke ich, nächstes Jahr werde ich auf die Bärenmusiker mal verzichten. Sie haben sich auch nochmal nachhaltig heute morgen um 3 Uhr bei mir ins Gedächtnis gebracht. Vor unserem Schlafzimmerfenster. Ich finde, für ihr Durchhaltevermögen gebührt ihnen jeder Respekt.

… aber zukünftig bitte aus der Ferne! 😉