Musik

It’s still Rock ‚n‘ Roll to me: Meine Musik von den Anfängen bis heute 

Zu meiner Hauptbetätigung in der Freizeit zählt das Schlafen und das Essen. Beides ist mir seit der Kindheit zu einer lieben Angewohnheit geworden, so dass ich es noch heute täglich praktiziere. Doch kaum einer in meiner Bekanntschaft, der dieser Tradition nicht auch regelmäßig nachkommen würde, so dass ich mich auf dieser Seite einer weitaus selteneren Beschäftigung widmen möchte: dem Musizieren.

Schon von Kindesbeinen an wollte ich auf einer Bühne stehen und meine Mitmenschen mit meinem Gesang bezaubern. Anfangs allerdings sollte sich dieses Unterfangen als schwieriger herausstellen als von mir damals angenommen.

Nun, die Mädchen in meiner Klasse – es war die erste – konnten noch von einem gekonnt vorgetragenen Playback zu Black Sabbath‚s Hit „Paranoid“ beeindruckt werden, doch meine liebe Mutter musste den ersten atonalen Gesangsstudien jeweils ein jähes Ende bereiten, da sich meine gesanglichen Fertigkeiten erst nur in sehr begrenzen Umfang einstellen wollten. Meine Eltern behaupteten in der Nachbarschaft, ich hätte starke chronische Schmerzen.

Doch steter Tropfen hölt den Stein: Mit zarten 14 Jahren sollten sich ein paar Unerschrockene finden, die, wahrscheinlich ob einer latenten Hörschwäche, eine Band mit mir gründeten. Sie hieß Hate. Sorry, wir waren jung und brauchten einen Namen. Wir schrieben das Jahr 1977 und in England tobte der Punk. Wolf Dieter Stubel vom NDR, Werner Reincke vom HR und Mel Sandock vom WDR präsentierten mir den Soundtrack meiner Jugend. Klar, dass ich vom Beatles-beeinflussten Pop zum Sex-Pistol-beherrschten Drei-Akkord-Rock der tumben Art kam. Eine Kostprobe aus jener Zeit ist der Song „Whole lotta love“ (Im Original von Led Zeppelin – ich weiß, man erkennt ihn kaum noch), den wir Anfang 1979 im Übungskeller in sehr minderer Qualität aufnahmen. Allerdings verhehlt die Aufnahme nicht die absolute Inkompetenz der Musiker. Wir fanden uns damals jedoch unheimlich gut. Das Line-up der Band, die diesen Song verbrochen hat, bestand aus Sänger Jörg Hilgenfeld, Bassist Matthias Meinecke, genannt „Zach“Axel Pfnür am Schlagzeug und mir als Gitarristen und Backgroundsänger. Ich hatte damals noch den Traum, ein großer Gitarrist zu werden. Wie man allerdings hört, konnte ich noch weniger Gitarre spielen als singen. 

Dieser Song von einer Hardrock-Legende, interpretiert mit dem Charme einer Pennäler-Rockband, grenzt tatsächlich schon an musikalische Inkontinenz. Das haben auch wir erkannt. Und wenn es in jungen Bands nicht so läuft, ist meistens der andere schuld. Auch in diesem Fall. Wie konnte ich als großes Talent, dass ich in mir damals sah, nur mit solchen Luschen zusammenspielen? Oder war es genau umgekehrt? Anyway, die Band ging in dieser Form auseinander und ich versuchte es mit Matthias „Zach“ Meinecke, der allerdings an die Gitarre wechselte, und mit unserem ehemaligen Mitstreiter Heiko Engel.

Mit Heiko begannen wir unsere glorreiche Karriere, doch als dieser sich weigerte Unsummen für ein vernünftiges Schlagzeug auszugeben, kam er auf Marino‚s Embargo-Liste und ich musizierte wie beschrieben mit der o.g. Formation. Doch 1980 sollten es sowieso nur zwei Akustikgitarren und Percussions sein. Die Gitarren waren besetzt und Heiko kam zurück in den Schoß der Band Hate. Zu dritt kam es dann zu denkwürdigen Aufnahmen im Übungsraum. Der Song „Everybody’s happy“ war eine typische Marino-Carlini-Nummer: schlicht in der Komposition und debil im Text.

Doch man sagt, es wären erste Zeichen von richtiger Musik zu erkennen gewesen. Was auf das endgültige Ende der Formation Hate folgte, war ein Jahr Pause. Die Freundin war dann doch erstmal wichtiger. Hey, ich war 17 Jahre und meine Lenden voller Saft! So ging es dann erst im Spätsommer 1981 musikalisch weiter. Mit Gitarrist Jens Groß verband mich schon zu frühen 70er-Zeiten eine echte Fußball-Freundschaft. Er suchte einen Sänger und ich wollte eh keine Gitarre mehr umschnallen. Mit Heiko Hotau an den Drums und Mario Wenzel an der zweiten Gitarre war die Band Radar komplett. Na ja, nicht wirklich, aber braucht eigentlich wirklich jemand einen Bassmann?

Der musikalische Output der neuen Band war ein Kessel Buntes. Flexibilität wurde groß geschrieben. Sogar den Bandnamen konnte man vorwärts und rückwärts lesen. Was dann auch das Herausragende dieser Formation bleiben sollte. Aber jeder brachte sich bei Radar voll ein. So war von Hardrock bis Schlager alles vertreten. Viele Bands haben so angefangen. Mir fällt jetzt bloß keine ein. Das Stück „Ich liebe alle Weiber“ bringt die Larifari-Einstellung der Band auf den Punkt. Aufgenommen im Oktober 1981 war es das Lied mit dem größten Potenzial, mal ein richtiges Musikstück zu werden. Leider wurde nie weiter daran gearbeitet.

Natürlich war wieder jemand anderes schuld. Der Bassist nämlich. Der war nämlich nie da. Aus oben beschriebenem Grund. Na gut, dann musste ich eben dran glauben und kaufte mir einen Viersaiter. Heiko Hotau und Mario Wenzel verließen die Band, und zu Jens und mir stieß im Sommer 1982 der Schlagzeuger Harry Hornschu.

In dieser Dreier-Besetzung war dann die Marschrichtung klar: Rock, hart und laut, mit deutschen Texten, die schon zu Radar-Zeiten erstmalig Einzug erhielten in das Oeuvre meiner Karriere. Im Herbst gab es schon erste Übungsmitschnitte, von denen hier stellvertretend das wild-brutale „Jugendträume“ vorgestellt wird.

Doch die Zeiten waren schnelllebig. Während Harryund ich nun den Erfolg mit allen Mitteln suchten, fokussierte sich Jens‚ Leben auf den Beruf. Pech für ihn. Im Dezember 1982 gingen Harry und ich nach Osterode zum ersten Mal in ein richtiges Aufnahme-Studio, während Jens zu Hause blieb. Die Folge: Radar war gestorben, Roxanne war geboren!

Es sei vorweg genommen, dass uns beide dieser Trip alles in allem eine hohe vierstellige Summe kostete und die erhofften 500 Single-Schallplatten bis auf ganze zehn Muster niemals das Licht der Welt erblickten. Der Rechtsstreit mit dem Studiobesitzer (den wir nur „Beppo Brem“ nannten) zog sich bis Mitte der Achtziger hin und endete mit Beppo‚s Offenbarungseid. Da standen wir nun: abgezockt, 19 Jahre jung und immer noch die Karriere im Kopf. Ohne Gitarristen war das allerdings ein Unterfangen, das nicht sehr vielversprechend aussah. Frank Rosenthal, erster Gitarrist Roxannes, blieb ein paar Wochen, doch erst mit Hubertus „Hupsy“ Schultze kam die Sache im Frühling 1983 ins Rollen.

Und was kaum jemand für möglich halten würde, geschah im Sommer ’83: Wir gingen zu dritt nochmal nach Osterode in besagtes Studio. Ein windiges Angebot des Betreibers lockte uns ein weiteres Mal an den Ort der Enttäuschung. Wie gesagt, wir waren sehr jung. Und wer jetzt mit einem Happy-End rechnet, hat überhaupt nichts vom Musik-Business begriffen. Die Unfähigkeit des Studiobesitzers wurde nur von unserer Naivität überboten, tatsächlich ein zweites Mal Geld zum Fenster hinaus zu schmeißen.

Geködert hatte uns Beppo Brem mit der Fertigstellung unserer Single mit erwähnten Mustern. Die späte Geburt von „Helden“ kam für Roxanne allerdings genau richtig. Lothar Mühleis suchte gerade hannoversche Bands für seinen lokalen Sampler „Musik aus dem Hintergrund“. Am 22. August 1983 erschien „Helden“ nun doch noch auf Vinyl. Vorher war das Trio bei Beppo und spielte vier Titel ein, deren Aufnahmen jedoch alle nicht das Bandmaterial wert waren, das benutzt und teuer bezahlt wurde.

Außerdem war klar, dass ich mit der Doppelfunktion, Lead-Gesang und Bass, ein Problem hatte. Ich entschied mich natürlich für den Gesang. Der Sänger steht im Allgemeinen nämlich im Rampenlicht, bekommt die Frauen und den Ruhm, während der Bassist hinten in der Ecke steht und sowieso eigentlich überflüssig ist. Siehe oben.

Matthias „Zach“ Meinecke, mit dem ich meine ersten musikalischen Gehversuche in den Siebzigern unternahm, kehrte an meine Seite zurück. Und nun sollte sich das Blatt endlich zum Guten wenden. Wir bekamen reichlich Gigs, waren erfolgreich und es trat das ein, was ich prophezeit hatte: Ich hatte jede Menge Freundinnen und „Zach“ keine!

Nach den Enttäuschungen mit Tonstudios konzentrierten wir uns auf Liveaufnahmen, die um einiges besser klangen, als das, was wir unter „professionellen“ Bedingungen zustande brachten. Deshalb gibt’s hier drei Aufnahmen, die bei Roxanne-Konzerten mitgeschnitten wurden: „Geh nicht nach draußen, wenn es regnet“ sowie „In den Himmel komm‘ ich sowieso“ und „Ost-Berlin“ entstanden im Frühling 1984.

Die Musik war nun eindeutig stark New-Wave-geprägt. Anfangs noch nach Police-Muster war es im Sommer ’84 neue deutsche Rockmusik, fern von NDW und Bombast- oder Hard-Rock. Die Texte waren nicht mehr allzu blöd, konnten sich zumindest hören lassen. „Solchen Musik“ nannten wir das. Bis zum September. Dann war wieder Schluss. Musikalische Differenzen nennt sich das wohl. Zu deutsch: Wir gingen uns auf den Sack. Rückblickend allerdings eine schöne Zeit und die musikalische Reifeprüfung.

Nach einem kurzen Intermezzo mit Drummer Oliver Betke und diversen Gitarristen, die nicht länger als drei Übungsabende blieben, trafen „Zach“ und ich schließlich auf den Gitarristen Christian SeibtOliver zog es mehr in die Schauspielecke und Christian hatte da einen Haus- und Hofdrummer. Der Wechsel war also schnell und unspektakulär. Die neue Band Fame bestand im Frühling 1985 aus Bassist „Zach“, Gitarrist und Keyboarder Christian SeibtMichael Wolpers an den Drums und mir als Sänger.

Auch ein sechswöchiger Gipsverband am rechten Bein verhinderte nicht, dass im Juni/Juli Aufnahmen im Übungsraum mit meinem brandneuen Vier-Spur-Recorder „Tascam Porta One“ entstanden. Wer brauchte noch ein Tonstudio? Im nachhinein darf man sagen: Wir hätten eines gebraucht! Aber wir waren jung und brauchten die Aufnahmen (ich finde dieses Argument nützt sich irgendwie nie ab). Die Texte waren wieder in englisch.

Der hier zu hörende Song „Hurricane“ wurde ausgewählt, weil er mit seinen 5:54 Minuten Länge noch eines der kurzen Lieder der Aufnahmesessions war. Also klassische Radiolänge. Für nachts um vier Uhr, wenn die Moderatoren eh im Bett sind und nur noch ein Band läuft. Das war aber egal, es ging schließlich um das Gesamtkonzept. Zum ersten Mal schrieb ich die Songs und Texte nicht mehr, sondern das erledigte Christian Seibt in textlicher Zusammenarbeit mit Michael Wolpers und mir. Solche komplexen Soundgebilde wären mir eh nicht eingefallen. Allerdings währte die Zusammenarbeit dieser schweren Musik-Kost auch nur bis zum September 1985. Michael,„Zach“ und letztlich auch meine Wenigkeit waren doch eher von der Rockfraktion und wir trennten uns in beiderseitigem Einvernehmen von Christian.

Es kam dafür Gerald. Ein 17-jähriger Jungspund, der mit seiner Gitarre den Weg wies: Hardrock á la Van Halen und anderer Gitarrenbands, die mit langen Haaren und Outfit-Attitüde. Kurz: Wir waren Poser! Oder besser gesagt, wir wären gern welche gewesen. Nur sahen wir leider aus wie hannoversche Vorstadtmucker, von denen einer noch beim Bund war und dessen Haarschnitt gut zu den Bingoabenden im Seniorenheim Langenhagen gepasst hätte. Das wussten wir allerdings nicht. Nein, wir wollten es nicht wissen. Nicht wirklich. Wir waren alle deutsche Bon Jovis. Jawohl.

Im Oktober/November ’85 entstanden die ersten Aufnahmen der Band Roxanne (wir erinnerten uns daran, dass ich das Patentrecht auf diesen Namen hatte) im Übungsraum mit selbiger Vier-Spur-Maschine, die jetzt immer professioneller eingesetzt wurde. Was dem Demotape jedoch nicht anzumerken ist. Ehrlich, wir fanden die Aufnahmen aber damals wirklich gut. Allerdings fanden wir auch Slayer gut. Muss ‚ne schlimme Zeit gewesen sein. Hört es euch an: „In through the outdoor“.

Konzerte von Kiel bis nach Süddeutschland folgten im Jahre 1986. Vielleicht waren die Tapes ja doch nicht so schlecht. Ende des Jahres sollten aber dann doch nochmal Aufnahmen gemacht werden. Bis zum Februar 1987 wurden acht Songs eingespielt, von denen hier „Stone-cold madness“ und „Enola Gay“ zu hören sind. Die Aufnahmen wurden noch aufwendiger produziert. Man hört es aber immer noch nicht. Fokus der musikalischen Ausrichtung war immer mehr Gerald‚s Gitarre. Wahre Gitarrenorgien brachten die Songs nicht selten – besonders live – zu einer Länge von über zehn Minuten.

Im Sommer 1987 war dann Schluss für mich. Irgendwo in einem Kaff mit dem Anfangsbuchstaben M (ich kann mich wirklich nicht mehr erinnern) gab ich das letzte Konzert mit Roxanne. Meine just gegründete Familie war erstmal wichtiger. Musik wollte ich nur noch Zuhause im Wohnzimmer machen. Ich hatte mir eigens dafür ein Keyboard, einen Drumcomputer und diverse Instrumente zugelegt. Das Resultat war sowas wie das hier: „You better believe it“ (ein programmatischer Titel, gell?) wurde mit Gitarrist Ulli Herker Ende ’87 aufgenommen. Meine persönliche musikalische Todesstrafe nahm ich allerdings Anfang 1988 ganz allein auf: „Beat one“. Versteht ihr jetzt, weshalb ich mir wieder eine Band suchen musste?

Im April 1988 stieg ich bei Second Lane ein. Eigentlich die erste Band, die ich nicht auch selbst gegründet hatte. An den Drums saß Eberhard Friedrich, Gitarrist war Christian Schulz, Bassist war Jens Hußmann und Bernd Schneider spielte das Keyboard. Genau, ich stieg als Sänger in die Band ein. Was auch sonst? Das erste Konzert am 5. Juni ’88 auf dem Langenhagener Stadtfest war dann auch die einzige Zusammenarbeit mit Eberhard. Er stieg aus und wir fanden in Wasteland einen neuen Bandnamen und suchten einen Nachfolger in der Fellbearbeitung. Den fanden wir aber nicht. Kurzzeitig stieg Kai Buchholz als Trommler ein und spielte die ersten Demos im Herbst mit uns ein. Na ja, zumindest die Becken durfte er spielen. Die Toms kamen dann doch aus einem kleinen Atari-Computer.„Foolish Game“ war ein Produkt dieser Aufnahmemonate.

Langsam wurde aus der Not, keinen Schlagzeuger zu finden, eine Tugend. Wir nahmen weiter auf, verbesserten, warfen wieder um, nahmen neu auf. Die Ergebnisse wurden immer besser. 1989 entstanden die Songs „Be around“ und „Love“ in unserem Übungskeller bei Bernd, das mehr einem Studio entsprach. Digitale Aufnahmen waren wie gesagt wegen des Computer-Spezialisten Bernd auch kein Problem für uns. Doch der Umstand, nicht live spielen zu können, zerrte an unseren Nerven. Im Freundeskreis gab es eine Rumpfband, die einen Gitarristen, Bassisten und Sänger suchte. [singlepic=53,200,,,left]Wir drei – ChrisJens und ich – entschieden uns dafür, zum Jahreswechsel 89/90 mit diesen drei Leuten – Gitarrist Ingo Renner, Keyboarder Alex Dittner und Drummer Carsten Müller – zu der Band Pride zu fusionieren.

Im Sommer 1990 wechselte nochmal der Schlagzeuger – es kam Axel Tarras – doch die Arbeiten am Material liefen gut und im Dezember wurden die ersten Gigs gebucht. Hier der Song „Rock ‚n‘ Roll Shoes“ vom ersten Pride-Konzert am 8. Dezember ’90 im Flohcircus. Auf Grund der Abstinenz konzentrierten wir uns nun ganz auf Konzerte, die wir mit den Aufnahmen von Wasteland besorgten. Das merkte kein Schwein. Auf den Aufnahmen war synthetische Studiomusik zu hören, doch wir spielten live stetig härtere Rockmusik. Doch ehe das jemandem auffiel, waren wir Gewinner des großen „Niedersachsen goes Rock“-Wettbewerbs 1991. Vorher, im Dezember 1990, waren wir zwar im „Prime Time“-Studio in Hannover, doch diese Aufnahmen waren dann auch nicht so der Hit. Irgendwie habe ich wohl eine versteckte Abneigung gegen Studiobetreiber.

Im Spätsommer 1991 entstanden dann in unserem eigenen Übungsraum Aufnahmen, die das erste echte Demo Prides wurden. Da hatten wir dann aber schon den Wettbewerbsgewinn – ein Gig vor 5000 Leuten in der Music Hall in Hannover – vor Augen. Im Oktober standen wir schließlich vor SAT 1-Kameras in der Music Hall auf der Bühne. Vorher drehten wir noch einen kleinen Clip mit SAT 1, der als Trailer für die Veranstaltung einige Male über den Sender ging. Folgerichtig wurden wir größenwahnsinnig. Einige, hier nicht genannte Mitglieder der Band Pride, nahmen bei besagter Veranstaltung den Garderoben-Wohnwagen auseinander. Das sicherte uns, bzw. mir auf Jahre das Prädikat „besonders zerstörerisch“. Letztmalig übrigens im Dezember 2000 bei einem Gig in Langenhagen. Sowas können sich Veranstalter merken, aber frag‘ sie mal nach deiner Telefonnummer…

Nachdem für Pride sowohl das musikalische als auch das öffentliche Standing positioniert war, konnte es eigentlich nur noch bergauf gehen. Das tat es auch. Die Band mauserte sich zu einer Well-known-address in Sachen Hannover-Rock. Besonders live konnte Pride überzeugen. Hier ein Mitschnitt vom Konzert im hannoverschen „Capitol“ am 25. April 1992. Der Song „Rock ‚n‘ Roll Heart“ war eine Komposition des Keyboarders Alex, der die Band aus beruflichen Gründen wenige Monate nach diesem Gig verließ.

Doch noch mit seiner Hilfe entstand zwischen Herbst 1992 und Sommer 1993 das erste und einzige Album der Band. Die Aufnahmen fanden in Rainer Holst‚s Staccato-Studio Hannover statt. Entgegen der Serie mit enttäuschenden Studiobesuchen, waren die insgesamt 19 Tage bei Rainer sehr fruchtbar und erfolgreich. Die CD „Lack of Confidence“ erschien am 22. November 1993 mit einem Gig im hannoverschen „Gig“. Von diesem Album gibt es hier drei Kostproben: „Change“, der Titel „Take care“, der im Jahr zuvor in einer Wasteland-Version auf dem Sampler „Tom Cörry, Vol. I“ erschien und „Right down to hell“, mein Lieblingssong von Pride.

Ein paar Videoclips kann sich der unerschrockene User auf YouTube.com unter www.youtube.com/Pridemusic anschauen.

Im Mai 1994 hatte aber auch dieses Kapitel meines musikalischen Werdegangs ein Ende. Ich probierte es wieder allein. Na ja, nicht ganz allein. Ein wenig half mir der Pride-Gitarristen Chris Schulz, der mit mir im November ’94 ins Staccato-Studio ging und den Song „Time“ als erste Veröffentlichung (im Dezember erschien der Song auf dem CD-Sampler „The Christmas Collection, Vol. II“ vom hannoverschen Rockbüro) aufnahm. Bis Anfang 1995 folgte mein erstes Demo, das ich ebenfalls mit Chris sowie Drummer Michael Wolpers und Bassist „Zach“ (da ist er wieder!), einspielte.

Am 18. Juni 1995 sollte ich dann auch wieder eine Bühne betreten. Mit Gitarrist Steven Hänisch, der für Chris den sechssaitigen Part übernahm, begann ich einige Monate zuvor schon, ein paar Songs einzuspielen, die wir gemeinsam dann mit „Zach“ und Michael beim dreitägigen „Tom-Cörry“-Open-air in Langenhagen live präsentierten. Vorweg genommen: Es war das letzte Konzert für fast vier Jahre!

Sporadische Studioaufnahmen in Stevens Desperado-Studio waren für die nächsten zweieinhalb Jahre alles, was ich an Zeit für Musik übrig hatte. Ja genau, dafür gehöre ich eigentlich geteert und gefedert. Ich vergeudete meine Zeit damit über Musik zu schreiben. Allerdings zur Freude vieler lokaler Amateurbands. Davon hatte ICH aber nichts. So kamen Steven und ich Ende 1997 überein, dass wir doch bitteschön nach diversen weiteren Sampler-CD-Beteiligungen (hier die Songs „Tonight“ vom Sampler „Tom Cörry III – live“ 1995, der Titel „Summer’s back in town“ von „Tom Cörry IV – Summer Collection ’96“ 1996 und „Sweet home Alabama“ von „Tom Cörry Vol. V 1987-1997″ 1997) endlich mal etwas Vernünftiges zustande bringen sollten. Es fing damit an, dass wir uns einen dritten Mann für die Band (eine solche sollte es jetzt sein!) Carlini suchen wollten.

Keyboarder und Produzent Dietrich Pinhammer ist ein ehemaliger Langenhagener, der schon diverse Male das musikalische Leben Stevens gekreuzt hatte. Ein Anruf genügte und ein Treffen mit ihm, Steven und mir war perfekt. Ich weiß bis heute nicht, was Steven ihm versprach, dass er sich mit uns traf. Na ja, wenige Wochen später waren wir zu dritt und besprachen die Vorgehensweise für die Aufnahme einer Maxi-CD.

Das Jahr 1998 war durch persönlichen, private Entscheidungen geprägt, wodurch das Aufnehmen der CD ein wenig ins Hintertreffen geriet. Doch 1999 haben wir dann endlich die vier Songs beendet. Am 5. September erschien „Carlini“, die CD, mit dem Song „All I want“.

1999 holte ich mir auch kreative Inspiration von anderen Musikern. Mit Dittmar Bachmann und Holger Fette von Bachmann schrieb ich einen Weihnachtssong. Der Titel „Weiße Weihnacht“ entstand in wenigen Stunden am Vormittag, nachmittags bis 16 Uhr hatte ich meinen Gesangspart schon aufgenommen – rekordverdächtig! Aber Dittmar, mit seiner autoritären Art, kann Einem ja auch mächtig zusetzen. Meine von ihm elektro-verkabelten Hoden taten ein Übriges. Auch Carlini war auf dem Weihnachtssampler der IG Rock Langenhagen mit „Born tonight“ vertreten. Unsere Aufnahmen haben übrigens drei Wochen gedauert…

Zwischen März und Juni 2000 absolvierten wir mehrere Konzerte in und um Hannover, die wir schlitzohriger Weise mitgeschnitten hatten. So veröffentlichten wir am 6. Dezember 2000 dann das Album „Live“ anlässlich eines Benefiz-Festivals im „Forum“ in Langenhagen. Zwischen 4. Januar 2001 und 5. Februar 2003 nahmen wir bei Dietrich im Studio das Album „Tides of time“ auf. Seit dem 22. Februar 2003 kann das Album über iTunes oder Amazon bestellt werden. 

Mit Dittmar Bachmann habe ich Ende 2002 ein Video vom Song „Tomorrow“ (vom Carlini-Album „Tides of time“) gedreht. Dittmar ist ein unbarmherziger Regisseur und Kameramann. Ich musste bei eisiger Kälte und 10 Grad minus Wassertemperatur in einen See steigen, während er sich das vorbereitete Büffet mit den Statistinnen teilte. Er sagt, das ist immer so im Filmgeschäft. Nun, ich bleibe bei der Musik. Wer das Ergebnis sehen möchte sowie einige weitere Clips von Carlini, schaut auf www.youtube.com/YouCarlini nach. 

Ende 2003 beschlossen Steven Hänisch und ich, endlich mal vernünftiges Geld mit der Musik verdienen zu wollen. Wir schnappten uns einen alten Kumpel von StevenMarkus Schier, und gründeten die unplugged-Classic-Rock-Coverband Sugarplumfairy, in der ich bis 2016 sang und spielte.

Im Frühjahr 2012 beschloss ich nach vielen Jahren der professionellen Musikdienstleistung mit Sugarplumfairy nochmal Carlini in den Vordergrund zu stellen. Ich produzierte ein neues Album namens „Everest“ mit vielen befreundeten Musikern, das am 25. Juni 2013 erschien (wieder online zu erwerben über iTunes, Amazon und Co.), und seit August 2013 bin ich allein mit meiner Gitarre in der Republik unterwegs. Alles Nähere erfahrt ihr unter www.Carlini.de und etwas detaillierter unter http://www.facebook.com/Carlinimusic

Zudem mache ich seit Anfang 2015 zusammen mit Dodo Leo und Thomas Martin gemeinsame Singer/Songwriter-Sache. Alles Wissenswerte erfahrt ihr unter www.Martin.DodoLeo.Carlini.de oder auf Facebook unter: https://www.facebook.com/CarliniDodoLeoMartin

 

 

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