Das Duell

Ja, was war das spannend gestern beim Kanzlerkandidatenduell zwischen Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel! Dafür habe sogar ich mal das Fernsehprogramm als erste Wahl für die abendliche Kurzweil auserkoren. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Die Emotionen brachen aber auch sowas von hervor bei den beiden Duellanten, dass es eine wahre Freude war, die rhetorischen Tiefschläge, die sie sich gegenseitig versetzt haben, live am TV-Schirm mitzuverfolgen.

Nee, jetzt mal im Ernst. War diese Glanzstunde der Sonntag-Abend-Unterhaltung nicht symptomatisch für den Wahlkampf? Mein Gott, was würden wir machen, wenn wir nicht unseren Guido hätten? Der durfte ja nun nicht ran, was ihn ja bekanntlich vor Monaten schon um den Schlaf gebracht hat. Mit dem wäre es wirklich zumindest aufregend geworden. In welchem Sinne auch immer.

So hatte das Ganze doch etwas von eines Testbildes, das aus mehreren Positionen gefilmt wurde oder wie meine Heimatzeitung heute morgen schrieb, „so mitreißend, wie einem offenen Farbeimer beim Eintrocknen zuzusehen.“

Aber ich hatte den Eindruck (oder will es mir zumindest einreden), dass die SPD sich langsam wieder ihrer sozialen Verantwortung bewusst macht. Hörte ich doch oft genug Worte wie „Mindestlohn“, „Soziales Netz“ und „Reich-Arm-Schere“ vom SPD-Kandidaten Schröder. Ach nein, sorry, ich habe oft am Rechner gesessen und dem Fernseher den Rücken gekehrt und vernahm doch tatsächlich den Tonfall und das Timbre vom alten CDU-Kanzler der Sozialdemokraten. Ich dachte, der alte Gerd wäre schnell mal für seinen Ex-Steigbügelhalter eingesprungen.

Nun, die SPD bereitet sich offensichtlich auf ihre zukünftige Rolle in der Opposition vor.

Und die Kanzlerin war auch da. Das ist schon das Positivste, das man über sie sagen kann. Sehr staatstragend. Sie versuchte eben durch ihre bloße Anwesenheit zu punkten. Und verbal hat sie sich ja nun auch schon ein wenig auf ihren künftigen Koalitionspartner eingestimmt, in dem sie auffallend oft über Wirtschaft und Unternehmen sprach. Jaaaaa, nur wenn es der Industrie gut geht, geht es auch den Arbeitnehmern gut. Ist klar.

Ich freue mich auf die nächsten vier Jahre der sogenannten „Tigerenten-Koalition“. Da gibt es dann zumindest mehr zu erzählen als von diesem Wahlkampf.

Und dann wird es spannend mitzuerleben, wie sich in den nächsten vier Jahren die linke Hälfte des Bundestages zusammenrauft, um den Karren anno 2013 für die Bürger wieder aus dem Dreck zu ziehen. Hoffen wir also, dass die Westerwelle bis dahin nicht zu viel Einfluss auf die Kanzlerin haben wird.

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