Stagflation und Börsenfieber

Mit der Wirtschaft ist es wie mit dem Lottospiel. Kein Schwein weiß, wie die Zahlen am Samstag aussehen werden. Seit Jahrzehnten schauen sich die Fachleute das Geschehen an, können aber nur zusehen und im Nachhinein die Katastrophen und Gewinne erklären. 

 

Dann erfinden sie Namen wie „Stagflation“ und erklären uns, dass es so kommen musste und eigentlich nur die Gewerkschaften und die höheren Gehälter sowie – ganz aktuell – die Mindestlöhne daran schuld sind. 

 

Doch das Erstaunlichste dabei sind die Börsen. Ich habe diesen Aktienscheiß ja immer sehr skeptisch beobachtet und es bisher abgelehnt, mich daran zu beteiligen. Denn Aktien sind zynisch. Und die Börse ist ein Spiel – dummerweise in einer sehr realistischen 3-D-Umgebung. 😉

 

Da werden die letzten Garagenfirmen mit drei Computern als millionenschwere Zukunftsunternehmen gehandelt und dann wundert man sich, weshalb die ganze New Economy Anfang des Jahrtausends zusammenbricht. Da spekulieren die US-Banken mit Immobilien dass es eine wahre Freude ist, und jetzt hats wieder Bumm gemacht. Die Spielfigur wurde rausgeschmissen und das Geschrei ist nun groß.

 

Das Spielbrett allerdings ist der Kapitalismus, auf dem wird ja schließlich der ganze Blödsinn verzapft. Und der hat seine beste Zeit offenbar hinter sich. Zumindest in Europa. Die Inder, Chinesen und Südamerikaner stehen ja eher noch mit allen vier Figuren am Start. Wir in der Alten Welt haben dagegen schon drei im Häuschen. 😉

 

Und unsere vierte Figur ist der DAX. Der springt mit einer Doppel-Sechs gerade fröhlich auf sein Ende zu. 

 

Dabei läuft es im wirklichen Leben eigentlich ganz schön. Die Unternehmen machen Gewinne, sie investieren, die Arbeitslosigkeit geht zurück und die Finanzchefs der Firmen stellen üppige Lohnsteigerungen in Aussicht, doch die Zocker an den Börsen dieser Welt interessiert das ja nicht. Die haben ja sowieso nach eigenem Ermessen den Wert eines Unternehmen festgelegt. Und nun schreien sie. Ein paar Millionen oder noch mehr haben sie angeblich verloren. Auf dem Papier. Auf DEN Papieren. Auf Aktien.

 

Ich bin dafür, wir machen alle Börsen dicht (lassen sie sozusagen als viertes Steinchen ins Häuschen) sagen „Mensch ärgere dich nicht“ (oder meinetwegen „Mau Mau“) und beenden den Aktienhandel. Es gibt nur noch Unternehmer, GmbHs, KGs etc. Keine Shareholder mehr, keine Housse und keine „feindliche Übernahme“. Eine Firma ist dann erfolgreich, wenn sie viele Mitarbeiter hat, die viele Waren/Dienstleistungen herstellen und viel absetzen. Was für eine einfache Wirtschaftswelt. 😉

 

Wir wissen dann zwar immer noch nicht, was morgen passieren wird, aber vielleicht kriegen wir den Kapitalismus dann zumindest noch menschenkompatibel, ausgeglichen und sozial. Also in etwa so wie das Wetter. :-)

 

Was für ein Traum. 😉

 

Ach so, das hätte ich ja fast vergessen: Stagflation setzt sich zusammen aus den Begriffen Stagnation und Inflation. Es ist eine „umgekehrte“ Inflation. Durch einen Preisschock (z.B. Energiekosten) steigen die Produktpreise, die sich die Konsumenten nicht mehr leisten können. Die Unternehmen machen nicht genug Umsatz und reagieren mit Entlassungen. Die Konjunkturschraube dreht sich weiter nach unten… – aber wen interessiert das wirklich? 😉

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