Die Wahl der Wahl

Man muss dieser Tage schon viel lesen, um die vielen Meinungen über den Wahlausgang und die möglichen Koalitions-Konstellationen alle zu überblicken.

Mir fällt dabei besonders die kreativen Interpretationen des Wahlausgangs auf. Die einen meinen, es wäre ein phänomenaler Wahlsieg der CDU, denen sich alle anderen Parteien unterwerfen sollten, während andere einen Wahlsieg des linken Parteienspektrums erkennen können.

Also zwischen einem „Weiter so“ und einem Politikwechsel ist die deutsche Öffentlichkeit hin- und hergerissen. Allen voran die Presse. Von größenwahnsinnigen Sozialdemokraten und dem „deutlichen Wählerwillen“ wollen alle genau wissen, wer was nun zu tun hat.

Nun, sicher ist die SPD nicht größenwahnsinnig, wenn sie sich nicht als Mehrheitsbeschaffer von Mutti sieht und deshalb sechs Ministerien fordert und auf einige Eckpunkte ihrer Wahlkampfversprechen besteht. Denn bei näherem Hinsehen ist der „fantastische Wahlerfolg“ der CDU eine derbe Niederlage. Denn da gibt es derzeit niemanden, der mit Merkel wirklich konstruktiv zusammenarbeiten möchte. Da ist die 41,5-Prozent-Marke eher eine Bürde, denn wer mag schon als „kleiner Partner“ in einer Koalition von der CDU beherrscht werden?

Das Scheitern der FDP an der 5-Prozent-Hürde wirkt sich nun fatal für die Union aus. Wahrscheinlich beißen sich gerade nicht wenige aus der Partei in den Allerwertesten, dass sie die Leihstimmenkampagne der FDP nicht doch unterstützt haben.

Hätte, hätte, Fahrradkette. Nun ist es zu spät! Apropos Steinbrück: Peer steht wie der Unterlegene von vor vier Jahren, Steinmeier, vor keiner rosigen Zukunft. Die Partei, und das wird langsam klar, hat genug von ihrem 15jährigen Kuschel-Mitte-Kurs und besinnt sich auf ihre sozialdemokratischen Werte. Schon während des Wahlkampfs wurde deutlich, dass die Übereinstimmungen mit der Linken sehr offenkundig ist. Kleine lustige Anmerkung am Rande: In einem Fernsehduell zwischen Sahra Wagenknecht (Die Linke) und Ralf Stegner (SPD) vor ein paar Tagen sollten die beiden Äußerungen von Vertretern beider Parteien der richtigen zuordnen. Sie scheiterten auffällig oft. So wie das Studiopublikum.

Eine Rot-Rot-Grüne Mehrheit im Bundestag wird aber vorerst nur hinter vorgehaltener Hand in Erwägung gezogen. Zu laut waren die öffentlichen Bekundungen der SPD vor der Wahl, dass man auf keinen Fall mit den Linken paktieren würde.

So haben wir jetzt die Situation, dass manche mit anderen nicht können und/oder wollen. Und der Ruf nach einer Neuwahl ist nur noch eine Frage der Zeit.

Und genau diese Entscheidung hängt jetzt an den Sozialdemokraten, denn sie müssen nämlich nun mit dem linken oder dem rechten Bein einknicken. Entweder mit der CDU als Juniorpartner den Steigbügelhalter für eine Große Koalition geben, den Politikwechsel verschieben und die Schröder-Ära um weitere vier Jahre verlängern (denn wer glaubt ernsthaft daran, dass Gabriel der Merkel vier Jahre lang einen Kurs vorgeben könnte – ungeachtet der geforderten Ministerposten) oder eben den Schritt zu einer Linken Koalition mit den Grünen und den Linken zu gehen und dadurch vor dem Wähler völlig unglaubwürdig dazustehen.

Wer ist jetzt eigentlich der wirkliche Verlierer der Wahl? 😉