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Euphemismen und ihre Übersetzung, Teil 1

Wir schauen uns mal einen der neuen Werbeslogans meiner Lieblingspartei an. Die FDP wirbt mit „Steuern runter. Soli weg. Mitte entlasten.“ Rot und blau auf gelb. Sieht super aus. Folgender erklärender Text steht darunter:

Wir wollen eine neue faire Balance zwischen Bürger und Staat. Die Mitte der Gesellschaft muss dazu #spürbar entlastet werden. Von Wachstums- und Wohlstandsgewinnen darf nicht allein der Staat profitieren. Unsere Vorschläge sind: Entfall der Stromsteuer, sinkende Sozialbeiträge, Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer für die selbstgenutzte Immobilie sowie Abschaffung des Solidaritätszuschlags.

Was bedeutet das eigentlich genau? Hier also:

Euphemismen und ihre Übersetzung, Teil 1

*Wir wollen eine neue faire Balance zwischen Bürger und Staat.*

Diese Balance ist eine Sache der Perspektive. Stellt euch auf einer Waage auf der einen Seite ein 5-kg-Gewicht und auf der anderen Seite ein 0,5-kg-Gewicht vor. Jetzt dreht den Kopf ein wenig …. – und schon steht alles inner Balancel. :-)

Im Ernst: Die Worte „fair“ und „Balance“ suggerieren eine Ausgeglichenheit im Geben und Nehmen, die in der liberalen Welt so aussieht, dass die Reichen ihre Gewinne weiter mehren dürfen und diese dann möglichst gering versteuern müssen, während die weniger Reichen, mehr für ihr Wohlergehen bezahlen sollen. Denn je mehr „Individualität“ („Bürger“) desto weniger Hilfe aus öffentlicher Hand („Staat“). Und die Balance zwischen den beiden liegt immer im Auge des Betrachters. In diesem Fall das Auge einer marktorientierten Partei.

*Die Mitte der Gesellschaft muss dazu spürbar entlastet werden.*

Die Mitte beginnt wo genau? Also bei unsereinem bei 50 Prozent plusminus 10 bis 20 Prozent etwa. Das ist allerdings falsch interpretiert. Denn die FDP spricht nicht von der Mitte der Bevölkerung, sondern von der Mitte des Kapitals. Und da liegt bei den Liberalen die Mitte in etwa bei 90 Prozent plusminus 10 Prozent. D.h. die oberen 80 Prozent sollen bei der gelben Klientelpartei von zusätzlichen Abgaben und Steuern möglichst verschont werden. Sie erklärt das auch gleich im Einzelnen:

*Von Wachstums- und Wohlstandsgewinnen darf nicht allein der Staat profitieren.*

Also wer Wachstum schafft und Wohlstand für sich – und vor allem für sich! – und auch für andere ein wenig generiert, soll das schöne Geld doch nicht gleich dem Staat zur allgemeinen Verteilung in den gierigen Rachen werfen müssen. Da muss doch wohl aber mal die Balance und so gewahrt bleiben. Denn es soll ja fair sein.

Wenn der Gute überhaupt Gewinn macht.

Wenn er allerdings Verluste schreibt, kann er die doch dann aber zumindest mal steuerlich absetzen und das Gemeinwesen zu Ader lassen dürfen. Ist ja fair. Vong Balankse her.

Die Banker haben das ja ganz gut ausbalanciert: Unterstützung bekommen, wenn sie sich verzockt haben – Leute rausschmeißen, wenn sie übermäßig Gewinn machen.

*Unsere Vorschläge sind: Entfall der Stromsteuer, sinkende Sozialbeiträge, Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer für die selbstgenutzte Immobilie sowie Abschaffung des Solidaritätszuschlags.*

Also Steuern werden gestrichen. Klasse! Auf dem nächsten Wahlplakat steht dann wieder rot auf gelb „FDP – Die Steuersenker“ – und dazu ein Foto von Christian Lindner, der den Daumen nach unten hält. Sepia eingefärbt. Vielleicht passt das zu gelb.

Und die Sozialbeiträge (inkl. Solidaritätszuschlag) werden auch gesenkt. Da profitiert der Geschäftsleiter von! Balance muss her! Gut, der Arbeitnehmer ist der Gekniffene, wenn er dann für die geringeren Sozialeinnahmen des Staates mehr selbst übernehmen muss. Halt mehr Bürger und weniger Staat. Balance, you know?!

Aber einen Vorteil hat der Angestellte, der 2.400 EUR brutto bekommt für 40 Std. und am Wochenende dann noch 400 EUR als Kellner hinzuverdient – er muss keine Grunderwerbsteuer mehr bezhlen für sein Einfamilienhaus für 400.000 EUR. Gut, das kann er sich natürlich niemals leisten, aber von der Balance her ist das schon gut austariert.

Also echt: „Steuern runter. Soli weg. Mitte entlasten.“ ist mein Slogan. Wie gesagt: Vong Balankse her halt. :-)

Ein politischer Blog (der längst überfällig war!)

Ich nehme den Post eines FB-Users zum Anlass, ein Versprechen einzulösen, das ich vor der Bundestagswahl gab, mich (mal wieder) deutlich dazu zu äußern, weshalb ich die FDP als Plage und gesellschaftszerstörerisch betrachte. Nicht, dass ich damit je hinterm Berg gehalten hätte in meinen Blogs, aber das ist leider schon länger her. Glücklicherweise waren die Freidemokraten bundesweit vier Jahre lang abgemeldet. Das kann sich ja nun ändern, deshalb ist ein kleiner politischer Blog zum Thema FDP wieder notwendig.

Kommen wir zu der Aussage bei Facebook, die sehr einfach den Unterschied zwischen Links und Rechts erklären sollte. Es war etwa folgender Wortlaut: „Die FDP ist per Definition die rechteste Partei in Deutschland, denn rechts: Stärkung des Individuums – links: Stärkung der Masse gegenüber dem Individuum.“

Das ist, wie ein anderer User daraufhin einwarf, extrem schwarz-weiß gezeichnet und ist, was ich einwerfe, nicht nur nicht ganz korrekt sondern eher falsch erklärt.

Wenn wir es einfach belassen wollen, stimme ich der Aussage zu, dass die FDP das Gegenteil der Partei Die Linke darstellt. Das bedeutet allerdings nicht gleichzeitig, dass die Liberalen eine rechte Partei sind. Eher sogar im Gegenteil. Denn die FDP stärkt zwar das Individuum, vergisst dabei jedoch die Masse. Und das würde eine Rechte Partei niemals dulden. Da geht es um Nationalismus, um „mir san mir“ (wie ich diesen Spruch der Bayern scheiße finde!), also eine kollektive Identität, der sich alle fügen bzw. unterordnen sollen (deshalb sage ich bei jeder Gelegenheit übrigens auch, dass die Menschen in der UdSSR und der DDR in keinem Sozialismus sondern in einer Rechten Parteiendiktatur gelebt haben).

Da ist die FDP ganz anders. Ja, sie fördern das Individuum, sie adaptieren für Deutschland den Amerikanischen Traum vom Tellerwäscher zum Millionär, sie sagen den jungen Leute, dass es jeder schaffen kann. Die sehr hippe und jungendliche Werbekampagne Christian Lindners war Ausdruck dieser Botschaft. Deshalb wurde er ja auch als BRAVO-Boy tituliert.

Die FDP würde ich als politische Speerspitze des Kapitalismus eher mit den Republikaner in den USA vergleichen.

Dass es natürlich niemals „jeder schaffen kann“ liegt allein schon im kapitalistischen System begründet, bei dem einige oder wenige gewinnen und mehr oder viele verlieren. Kapitalismus ist der legale Weg, die Menschen auszubeuten. Nicht nur wirtschaftlich, durch eine „marktorientierte“ Preispolitik sondern auch persönlich und gesellschaftlich (Verlust der Teilhabe am Wohlstandsstaat sowie der Zwang zu schlechtbezahlter Arbeit).

Während die Linke eine gerechte Verteilung (gerecht ist übrigens nicht, wenn es der bekommt, der am meisten bezahlt sondern wenn alle Menschen das Gleiche bekommen!) propagiert, ein einheitliches Gesundheitssystem, ein einheitliches Rentensystem und staatliche Kontrolle der lebenswichtigen Ressourcen (Wasser, Nahrung, Öl, Strom, Wohnraum) fordert, sind die Liberalen für „Marktkontrolle“, Kürzungen der „Transferleistungen“ (wie Arbeitslosengeld, Hartz IV und auch die staatliche Rente) und natürlich Steuersenkungen. Damit werben sie ja bei jeder Wahl. Und wenn Otto Schlechtverdiener hört, dass er „mehr Netto vom Brutto“ bekommt, dann ist er Feuer und Flamme für eine Partei, die eigentlich den Todesstoß für das untere Drittel der Bevölkerung Deutschland bedeuten kann.

Denn welcher Staat kann mehr für die Alten, Hilflosen, Zurückgebliebenen und Schwachen der Gesellschaft tun – ein starker Staat, der viel Steuern zur Verfügung hat, der die wichtigsten Lebensbausteine unter Kontrolle hat oder ein Staat, der wenig Steuern einnimmt und der dem kapitalistischen Markt die Kontrolle über die finanziellen Geschicke des Landes überlässt?

Deshalb halte ich die FDP für das Übel in der kommenden Regierung, falls es zu einer schwarz-gelb-grünen Koalition kommen sollte.

….aber rechts sind die Liberalen eben nicht wirklich.

Auf in den (Wahl-)Kampf! Oder Kapitulation vor der AfD?

Ich bin ein wenig überrascht vom Wahlprogramm der CDU/CSU.
Ich weiß nicht, warum sie es „für ein Deutschland, in dem man gut und gerne lebt“ genannt haben, da ein (von mir übersetzt) „Weiter so“ eigentlich keiner will.
 
Und wenn ich mir die Positionen ansehe, die die „Christlichen“ in den nächsten Monaten besetzen wollen, habe ich so meine Zweifel, ob die Entscheidung für dieses Programm die richtige war.
 
Es geht viel um Neubauabschreibungen, Baukindergeld, halt traditionell um Familie und was man mit dem vielen Geld so anstellen kann.
 
Evtl. sollte mal jemand nicht nur dem CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagen, dass es nicht damit getan ist, „etwas Ordentliches zu lernen“. Denn in einer Arbeitswelt, in der die Anfangsgehälter für Fachkräfte mittlerweile gen Mindestlohn tendieren, braucht man sich über Familien erstmal keine Gedanken zu machen. Geschweige denn über ein Eigenheim.
 
Schön auch die „Vollbeschäftigung ab 2025″. Voll ja, aber eher vollkommen weltfremd. Jeder Analyst und Wirtschaftswissenschaftler weiß, dass es durch Automation und Digitalisierung gerade ab etwa 2025 sehr schlecht mit Jobs aussieht.
 
Und dann noch der Wehretat. Statt in Richtung europäische Verteidigung zu steuern, steckt die Kanzlerin in den nächsten vier Jahren lieber 20 Mrd. (!!) EUR mehr in die Bundeswehr.
 
Bin ich der Einzige, der das alles nicht so schrecklich toll findet? Oder begnügt sich die CDU/CSU damit, nur der gutverdienenden bürgerlichen Klientel Themen anzubieten und überlässt der AfD die besorgten Bürger??
 
Ganz bitter! :-(

Gute journalistische Arbeit

Zum SPON-Kommentar von Sebastian Fischer

Wie wahrscheinlich war es, dass die Journalisten unseres Landes auch tatsächlich verstehen würden, was Sahra Wagenknecht und die anderen auf dem Parteitag in Hannover entschieden haben?
Es kam hier im Spiegel und kommt morgen in den Tageszeitungen genau so, wie man es schon ahnen konnte.

„Für eine Koalition … bräuchte es … klare gemeinsame Ziele.“

Da hat jemand aber nun wirklich nicht zugehört, Hr. Fischer! Hier nochmal verständlicher für Sie ausgedrückt: Es gibt auf Basis neoliberaler Politik keine gemeinsamen Ziele und schon lange keine Koalition mit den Linken!

Wie oft soll es denn noch gesagt werden?

Nein, jeder Journalist und wer sich dafür hält, wartet darauf, dass die Linke endlich auf den Kurs der heutigen Regierung umschwenkt und wettert bei jedem Anlass darüber, dass die Linke sich doch nun endlich mal zusammenreißen und besinnen sollte.

Achtung, jetzt der Clou, Hr. Fischer: Dann bräuchten wir die Linken jedoch überhaupt nicht! Wir haben nämlich schon jede Menge Neoliberalismus im Parlament!

Ich warte darauf, dass mal ein Journalist versteht, was Wagenknecht, Gysi, usw. wirklich erzählen oder zumindest Mal zuhört, was sie sagen.
Dann sollte er sich ein paar Gedanken machen und dementsprechend seine Kommentare verfassen. Journalistische Arbeit halt.

Aber die ewig alte Leier der „unzuverlässigen Linken“ ist so sinnlos, überflüssig und dumm wie die Annahme, dass es eine rot-rot-grüne Koalition gibt, mit dem Personal, das derzeitig das Ruder der Parteien in der Hand halten.

Übrigens auch genauso sinnlos, überflüssig und dumm wie ihr Kommentar, Hr. Fischer!

Verrückte Welt

Nun lasse ich mir die Tweets vom POTUS ja direkt aufs Handy schicken. Was dieser Verrückte in zwei Wochen alles schon angerichtet hat bzw. mit wem er sich schon angelegt hat ist einfach unglaublich. Ich staune jeden Tag wie ein Mensch völlig schamlos seine Dummheit zu Tage tragen kann und offenbar überhaupt keine Scheu davor hat gegen jeglichen Menschenverstand zu handeln.

Unglaublich, das sowas im vermeintlich aufgeklärten 21. Jahrhundert überhaupt möglich ist. Ganz aktuell liegt Trump jetzt sogar mit seiner Verfassung im Clinch. Und alles wegen der völlig sinnfreien Anweisung keine Flüchtlingen aus Staaten aufzunehmen, mit denen er keine profitablen wirtschaftlichen Beziehungen unterhält (ich habe das gleich mal übersetzt).

Der Mann ist tatsächlich wie eine böse Marienerscheinung – man schaut ganz gebannt hin im Wissen, dass eigentlich nicht wahr sein kann was man gerade erlebt.

Die Welt ist einfach verrückt geworden!

Marine Le Pen führt in Frankreich bei ihrer Wahlauftakt-Rede für die im April stattfindende Präsidentschaftswahl genau die selben Argumente ins Feld wie bspw. Trump und Höcke – diesmal natürlich ist „Frankreich first“!

Es gibt zwar schon jede Menge Bewerber auf den zweiten Platz (siehe z.B. Böhmermann und die Niederlande), aber ich befürchte, alle Nationen werden mittelfristig die Nr.-1-Position auf ihrem eigenen Territorium für sich beanspruchen. Logisch.

Und mal abgesehen von einem historischen Rückfall in die Zeit des Nationalismus des 19. Jahrhunderts, kann das in der kausalen Konsequenz nur bedeuten, dass die Errungenschaften des Humanismus, des Sozialwesens und des Liberalismus der vergangenen Jahrzehnte einfach negiert, zurückgefahren und auf nationale Allgemeininteressen reduziert werden.

Das Wohl des Staates steht über dem des Individuums. Und das führt uns direkt zum Totalitarismus, den wir doch nun schon 72 Jahre hinter uns glaubten! Meine Generation behauptete bis vor kurzem zumindest noch, das würde uns nie wieder passieren!

Da fällt mir folgender Twittereintrag ein: „Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten.“

Ja, finden wir es am 23. April in Frankreich und am 24. September in Deutschland heraus. Es steht nach Amerika schon 0:1 gegen uns. :-(

5 vor 12

Es ist wieder Zeit für eine Ansprache. Denn die Welt geht ganz gehörig den Bach runter, da kann man eben nicht still sitzen und zusehen. Oder anders gesagt, wenn sie schon untergeht, dann aber immerhin kommentiert von mir. Kämpferisch.

Man mag es nicht glauben, aber gestern wurde in Amerika eine Person als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt, der das Potenzial hat, tatsächlich die Apokalypse dieser unserer Erde loszutreten. Ein Mann mit der Emotionalität eines Bruce Banner.

Ich wollte es bis zuletzt nicht glauben, dass dieses Volk wirklich einen Donald Trump wählt. Ich habe immer wieder an einen großen Spaß von Hape Kerkeling, Jan Böhmermann oder Extra 3 geglaubt. Anhaltende Manipulation der Satellitenübertragung aus dem Westen mit gleichzeitiger kollaborativer Miteinbeziehung aller Printmedien.

Die USA hat es wirklich wahr gemacht und einen gefährlichen Psychopathen zu ihrem Führer ernannt. Alle schlechten Hollywood-Filme der vergangenen Jahrzehnte, in denen absurde Helden und Anti-Helden den Posten des obersten Verteidiger der Freiheit und der westlichen Werte einnahmen, sollten doch nur unterhalten – nicht die Basis dafür schaffen, dass eine solche Figur tatsächlich akzeptiert und gewählt wird.

Geben wir also der Unterhaltungsindustrie die Schuld daran. „Independance Day“, „Abraham Lincoln Vampirjäger“, „Air Force One“ und wie sie nicht alle heißen, mangelt es an Realität in Bezug auf den US-Präsidenten. Da mag man als Amerikaner vielleicht patriotisch mit der Gänsehaut auf dem Handrücken die Träne im Augenwinkel trocknen, aber es führt leider auch dazu, dass er schließlich jedem Hanswurst den Job zutraut, der sich geschickt in Szene setzen kann. Auch einem selbstverliebten Verrückten, der Betriebswirtschaft nicht von Volkswirtschaft unterscheiden kann und meint, er wäre allmächtig.

Na gut, vielleicht ein bisschen übertrieben diese Kausalität, aber ich überlege mir seit Monaten wie es dazu kommen konnte.

Wobei wir selbst in Deutschland in diesem Jahr vor einer richtungsweisenden Wahl stehen. Denn auch die Menschen hierzulande laufen wie Nagetiere hinter den rechten Rattenfängern wie Björn Höcke hinterher, der seine wahre Gesinnung sehr schön in einer Rede am vergangenen Dienstag in Dresden präsentierte. Unverhohlener Rechtsradikalismus. Und die Menschen stehen davor und jubeln ihm zu.

Ich fühle mich nicht mehr in einer Parallelwelt wie ab und zu in der Vergangenheit mal, wenn mein Verstand etwas nicht akzeptieren wollte, was nicht in diese Welt passte. Denn leider ist aus dieser Parallelwelt nun eine bittere Realität geworden, in der ich leben muss. Und da ist es jetzt Zeit aufzustehen, sich klar zu bekennen und auf diesen Wahnsinn hinzuweisen. Immer wieder. Bis es weh tut. Und auch der Letzte begreift, dass auf „Für Politik interessiere ich mich nicht“ schon bald folgt: „Das muss dich nicht interessieren, tu was ich dir sage!“!

Es ist Fünf vor Zwölf!

„… and no religion, too!“

Da mag man in seiner Mitte ruhen wie ein Buddha, aber an der derzeitigen Debatte kommt man eben nicht vorbei – Pegida und die Attentate gegen Charlie Hebdo. Eigentlich zwei Debatten, die hierzulande zu einer gemacht werden.

Auf der einen Seite die endlose Debatte über die Morde im Namen Allahs. Als wenn der so etwas in Auftrag geben würde. „Tod allen Andersgläubigen!“ – am besten noch in Kombination mit einem Selbstmord. Und schon hat man als Islamist eine Schar Jungfrauen an der Backe, die von einem verlangen, endlich in die Geheimnisse der Liebe eingeführt zu werden. Wobei ich mich gerade frage, ob die Sache mit dem Sex ohne Ehe nicht auch im Koran ein No-Go ist.

Aber immer häufiger hört man sowas ja auch von Mädels: Die sind dann auch ganz gern mal mit einer modischen Sprengstoffweste unterwegs. Wobei ich mich dabei frage, was denen eigentlich versprochen wird. Über 72 unerfahrene Schnellschützen, die mit ihrem Colt nicht umgehen können, kann ja wohl kaum eine Frau ernstlich frohlocken. Aber was weiß ich schon von Frauen!

In Wahrheit sind das alles nur Männer und Frauen, die von Brandstiftern verführt und konditioniert wurden, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Oft sogar aus reinen weltlichen Gründen. Denn ich warte eigentlich immer noch darauf, das sich ein Oberhirte dieser Religion mal hinstellt und sagt, „hey, das war scheiße und findet nicht die Zustimmung des Islams!“. Dann wäre die Sache nämlich gegessen. Aber die Jungens da oben haben eben keinen Humor. Vor allem nicht, wenn es um sie selbst geht. Und das ist das eigentliche Problem. Denn wer möchte schon seinen Lebensinhalt verspottet sehen? Und das gilt natürlich für den Islam genauso wie für das Christentum, die Juden und was sonst noch so einen imaginären Freund lobpreist.

Unterm Strich bleiben Attentäter rücksichtslose und menschenverachtende Mörder, die verfolgt und zur Verantwortung gezogen werden müssen. Und weil das so ist, darf kein Karikaturist, kein Journalist, kein Politiker zurückweichen und sich dem Terror beugen!

Kommen wir zu den Dresdner Spaziergängerpatridioten. Also das eigentliche Deutsche Volk, wie sie von sich behaupten. Ich persönlich finde diesen Anspruch genauso dämlich wie die Forderung nach dem Ende der „Islamisierung des Abendlandes“. Das ist so ähnlich als würde ich mir ein paar gleichgesinnte Leute suchen und gegen die „Anglizismierung der Kontinental-Abendländischen Sprache“ kämpfen. So mit Transparenten und markigen Sprüchen.

Es ist doch völlig hohl gegen eine eventuelle Entwicklung in der Gesellschaft zu demonstrieren. Das kann man doch gar nicht aufhalten. Wenn beispielsweise 70 Prozent der Deutschen Bevölkerung spontan konvertieren, weil sie eine Marienscheinung haben, bei welcher Maria sich als Fangirlie des Propheten Mohammed outet, steht man mit seinem Pegida-Fähnchen ein bisschen dumm da.

Das Vorgehen der Pegida erinnert deshalb auch mich tatsächlich an das Dritte Reich, als alles arisch sein sollte.

Aber ich möchte nochmal in Erinnerung bringen, dass ich jede Art von Religion archaisch, lächerlich und in höchstem Maße lebensgefährlich finde. Wie man in Paris wieder schmerzlich feststellen müsste. Dass erwachsene Menschen an einen Heiland irgendwo „da drüben“ glauben können, ohne ihn im Hier und Jetzt jemals getroffen oder gar gesprochen zu haben, ist mir immer noch ein Rätsel. Vielleicht wäre der ja gar nicht so überzeugend, wäre gegebenenfalls sogar unsympathisch und verabscheute womöglich einen anständigen Espresso Corretto! Das könnte doch kein guter Mann sein, oder?

Und da drängt sich mir unweigerlich ein Zitat der einzigen von mir akzeptierten Gottheit auf, die einst folgenden Denkanstoß gab:

„Imagine there’s no countries,
it isn’t hard to do.
Nothing to kill or die for
and no religion, too.“

Ach, lieber Gott, wäre das nicht schön?!

Die Wahl der Wahl

Man muss dieser Tage schon viel lesen, um die vielen Meinungen über den Wahlausgang und die möglichen Koalitions-Konstellationen alle zu überblicken.

Mir fällt dabei besonders die kreativen Interpretationen des Wahlausgangs auf. Die einen meinen, es wäre ein phänomenaler Wahlsieg der CDU, denen sich alle anderen Parteien unterwerfen sollten, während andere einen Wahlsieg des linken Parteienspektrums erkennen können.

Also zwischen einem „Weiter so“ und einem Politikwechsel ist die deutsche Öffentlichkeit hin- und hergerissen. Allen voran die Presse. Von größenwahnsinnigen Sozialdemokraten und dem „deutlichen Wählerwillen“ wollen alle genau wissen, wer was nun zu tun hat.

Nun, sicher ist die SPD nicht größenwahnsinnig, wenn sie sich nicht als Mehrheitsbeschaffer von Mutti sieht und deshalb sechs Ministerien fordert und auf einige Eckpunkte ihrer Wahlkampfversprechen besteht. Denn bei näherem Hinsehen ist der „fantastische Wahlerfolg“ der CDU eine derbe Niederlage. Denn da gibt es derzeit niemanden, der mit Merkel wirklich konstruktiv zusammenarbeiten möchte. Da ist die 41,5-Prozent-Marke eher eine Bürde, denn wer mag schon als „kleiner Partner“ in einer Koalition von der CDU beherrscht werden?

Das Scheitern der FDP an der 5-Prozent-Hürde wirkt sich nun fatal für die Union aus. Wahrscheinlich beißen sich gerade nicht wenige aus der Partei in den Allerwertesten, dass sie die Leihstimmenkampagne der FDP nicht doch unterstützt haben.

Hätte, hätte, Fahrradkette. Nun ist es zu spät! Apropos Steinbrück: Peer steht wie der Unterlegene von vor vier Jahren, Steinmeier, vor keiner rosigen Zukunft. Die Partei, und das wird langsam klar, hat genug von ihrem 15jährigen Kuschel-Mitte-Kurs und besinnt sich auf ihre sozialdemokratischen Werte. Schon während des Wahlkampfs wurde deutlich, dass die Übereinstimmungen mit der Linken sehr offenkundig ist. Kleine lustige Anmerkung am Rande: In einem Fernsehduell zwischen Sahra Wagenknecht (Die Linke) und Ralf Stegner (SPD) vor ein paar Tagen sollten die beiden Äußerungen von Vertretern beider Parteien der richtigen zuordnen. Sie scheiterten auffällig oft. So wie das Studiopublikum.

Eine Rot-Rot-Grüne Mehrheit im Bundestag wird aber vorerst nur hinter vorgehaltener Hand in Erwägung gezogen. Zu laut waren die öffentlichen Bekundungen der SPD vor der Wahl, dass man auf keinen Fall mit den Linken paktieren würde.

So haben wir jetzt die Situation, dass manche mit anderen nicht können und/oder wollen. Und der Ruf nach einer Neuwahl ist nur noch eine Frage der Zeit.

Und genau diese Entscheidung hängt jetzt an den Sozialdemokraten, denn sie müssen nämlich nun mit dem linken oder dem rechten Bein einknicken. Entweder mit der CDU als Juniorpartner den Steigbügelhalter für eine Große Koalition geben, den Politikwechsel verschieben und die Schröder-Ära um weitere vier Jahre verlängern (denn wer glaubt ernsthaft daran, dass Gabriel der Merkel vier Jahre lang einen Kurs vorgeben könnte – ungeachtet der geforderten Ministerposten) oder eben den Schritt zu einer Linken Koalition mit den Grünen und den Linken zu gehen und dadurch vor dem Wähler völlig unglaubwürdig dazustehen.

Wer ist jetzt eigentlich der wirkliche Verlierer der Wahl? 😉